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2014

Bilder © Alamodefilm
** Escobar - Paradise Lost
andrea di stefano


Ein junger Kanadier verliebt sich in Kolumbien in die Nichte von Drogenbaron Pablo Escobar. Bald wird er von diesem unter seine Fittiche genommen und in dessen kriminelle Welt hineingezogen.

Der Mann ist längst tot, erschossen 1993 auf der Flucht vor Justiz und inländischen und ausländischen Verfolgungsbehörden. Doch sein Name Pablo Escobar - ist nicht vergessen, galt er doch damals als König des Kokains, als einer der reichsten Kriminellen der Welt. Der italienische Regisseur Andrea Di Stefano, gelegentlich als Schauspieler unterwegs, baut hier für seinen Debütfilm tatsächliche Vorkommnisse in eine fiktive Geschichte ein, die einen surfbegeisterten Ausländer in Kolumbien zur Hauptfigur macht. Nick (Josh Hutcherson, Die Tribute von Panem - Mockingjay) und sein Bruder glauben am Strand einen guten Platz für eine Bar und Surfschule gefunden zu haben, werden aber durch eine lokale Gangsterbande aus den rosaroten Wolken gerissen. Gut, dass Nicks Freundin Maria (Claudia Traisac) einen einflussreichen Onkel (Benico Del Toro, Inherent Vice) hat, ein Mann mit politischen Zielen, der sozial schwächere unterstützt und wie ein Pate schon mal Gefallen erweist und Probleme löst. Während Maria - wie viele andere - Escobars Drogenaktivitäten verharmlosen oder über negative Aspekte hinwegsehen, merkt Nick wie er sich langsam im Netz des charismatischen Gangsters verfängt.

Ja, was hätte man aus diesem Stoff machen können. Aber Di Stefano interessiert nicht für den Aufstieg und Fall des Drogenbarons sondern fokussiert seine Erzählung auf einen jungen Burschen, der sich seinen romantischen Gefühlen hingibt und irgendwann fragt, wie er sich und seine naive Geliebte aus der Reichweite des kriminellen Clans entziehen kann. Das geht natürlich auf Kosten der Szenen mit einem darstellerisch voll überzeugenden Benicio Del Toro, der zur Nebenfigur degradiert wird. Unverständlich auch deswegen, weil der 22-jährige Hutcherson ein schauspielerisches Leichtgewicht ist und leider nicht in der Lage ist den Film zu tragen. Es wird zwar gut deutlich, dass Escobar viele Anhänger unter der Bevölkerung hatte und er keine Skrupel scheute auch Vertraute hinzurichten, wenn sie ihn enttäuscht hatten aber Del Toros starke Leinwandpräsenz, wenn er denn zu sehen ist, hätte man öfter nutzen müssen. So herrscht bei zwei Stunden Laufzeit viel Leerlauf und selten kommt es zu wirklich spannenden Momenten. Wer also lieber ein Gangsterbiopic über Kolumbiens berühmtesten Verbrecher sehen will, der muss auf die kürzlich beim Filmfest Cannes angekündigte Verfilmung mit Javier Bardem (eine sehr gute Wahl!) und Penelope Cruz hoffen. Produziert wird das Werk von Luc Bessons Firma Europacorp und wohl 2016 in die Kinos kommen.

Mehr langatmige Liebesgeschichte als spannendes Gangsterdrama. Benicio Del Toro überzeugt, sein Co-Star bleibt blass.

Text © Markus Klingbeil
16.07.2015

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Escobar - Paradise Lost

Frankreich, Spanien, Belgien, Panama 2014. Farbe. Originalsprache: Englisch, Spanisch. Länge: 114 Min Bildverhältnis: 2.35:1 Kinostart: 26.06.2015 (US) 09.07.2015 (D). Budget: 17 Mio. USD Regie: Andrea Di Stefano. Drehbuch: Andrea Di Stefano. Adaption: Andrea Di Stefano, Francesca Marciano Kamera: Luis David Sansans. Schnitt: David Brenner, Maryline Monthieux. Musik: Max Richter. Darsteller: Josh Hutcherson, Benicio Del Toro, Brady Corbet, Claudia Traisac, Carlos Bardem, Ana Girardot, Laura Londoño.
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