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2014

Bilder © Neue Visionen
*** Atlantic.
jan-willem van ewijk


Einen marokkanischen Fischer zieht es in die Ferne, nach Europa. Er macht sich auf die lange Reise mit seinem Lieblingssportgerät dem Surfbrett.

Touristen kommen jedes Jahr in das kleine an der marokkanischen Atlantikküste gelegene Dorf in dem Fettah lebt. Dort sind die natürlichen Gegebenheiten ideal zum Windsurfen. Freundschaften sind entstanden wie z.B. mit dem Holländer Jan (den Part spielt der Regisseur selbst). Der hat diesmal seine Freundin Alexandra (Thekla Reuten; kleine Rolle, unauffälliges Spiel) mitgebracht und sie weckt Gefühle in Fettah, die der zurückhaltende junge Mann verarbeiten muss. Denn in seinem Alltagsleben gibt es den alten Vater, den er beim mühsamen Fischfang unterstützt, eine Cousine, die in ihn verliebt ist, ein Kind, das ihm Vertrauen schenkt als wäre er ihr Vater. Doch die geheime Sehnsucht, sein Traum das alles hinter sich zu lassen und wie die Urlaubsgäste zu verschwinden wird durch Alexandra nur verstärkt. Aufbruch in eine bessere Zukunft ? Der niederländische Regisseur Jan-Willem van Ewijk hat sich von eigenen Urlaubserlebnissen in Marokko zu seiner Geschichte inspirieren lassen, den Film dann auch in vielen Rollen mit Laiendarstellern vor Ort besetzt. Das Geld für das Projekt besorgte er sich aus mehreren Ländern und über Crowdfunding. Hauptdarsteller Fettah Lamara, der nie zuvor schauspielerte, hatte sich schon im Vorfeld mit van Ewijk angefreundet und stellte sich als Idealbesetzung für den Part des Surfers heraus. Die Stärke des Films sind nämlich die Bilder von Kameramann Jasper Wolf, die Windsurfaufnahmen mit Lamara, der tatsächlich ein Windsurfing-Champ ist und daher auch die schwierigsten und atemberaubendsten Szenen auf offener See selbst selbst spielen konnte.

Van Ewijik erzählt die Geschichte der Reise nicht chronologisch sondern schiebt immer wieder Rückblenden ein, die Einblicke in das bisherige Leben der Hauptfigur geben. Das Erzähltempo ist dabei ein langsames, ein pseudophilosophischer Begleitkommentar, der immer wieder über die Bilder gelegt wird Lamara spricht - trägt dazu bei. Manche Charaktere werden nur oberflächlich abgehandelt und familiäre Zugehörigkeiten nicht eindeutig definiert. Warum Fettahs Cousine Rahma (Hassna Souidi), die als nette, warmherzige Person und tolle Köchin beschrieben wird nie eine Chance hatte das Herz von Fettah zu erobern bleibt ebenso ungeklärt wie die Zugehörigkeit des lebenslustigen Mädchens Wisal, die zwischen den Surfern am Strand immer herumtollt, spielen will und für Fettah eine extrem wichtige Person ist. Da bleibt zu viel Interpretationsspielraum. Was der Regisseur zudem lange vernachlässigt ist an der Spannungsschraube zu drehen. Eine tolle Bildsprache reicht dazu nicht aus und bedenkt man, dass unser Windsurfer außer seinem Sportgerät nur einen Rucksack bei sich hat wirkt die viele Hunderte von Kilometern lange Tour auf dem Meer eher wie ein Selbstmordtrip als eine spirituelle Reise. Die Dramatik holt uns dann zum Schluss wieder ein aber das Gefühl bleibt, dass Van Ewijk hier mehr hätte daraus machen können.

Der Film überzeugt zwar durch tolle Bildmotive schwächelt aber bei der dramaturgischen Ausarbeitung der Geschichte.

Text © Markus Klingbeil
15.05.2015

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Atlantic.

Germany, Belgium, Netherlands, Morocco, France 2014. Farbe. Originalsprache: Arabisch, französisch, englisch. Länge: 94 Min Bildverhältnis: 2.39:1 Kinostart: 07.12.2014 (MAR) 25.06.2015 (D). Budget: 1.8 Mio Euro Regie: Jan-Willem van Ewijk. Drehbuch: Jan-Willem van Ewijk, Abdelhadi Samih. Kamera: Jasper Wolf. Schnitt: Mona Bräuer. Musik: n/a Darsteller: Fettah Lamara, Wisal Hatimi, Hassna Souidi, Mohamed Majd, Thekla Reuten, Jan-Willem van Ewijk, Boujmaa Guilloul, Steven Novick, Aron Michael Thompson.
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© Layout, Text: Markus Klingbeil, Bilder: Filmverleih